Chaos in der Regionalliga
In jedem Sport gilt eigentlich der Grundsatz "Je höher die Liga, desto besser die Organisation". Dies scheint so nicht für den American Football in Deutschland zu gelten, denn wie sich in den letzten drei Jahren für die Footballer der BG 74 Göttingen Generals herausgestellt hat, brachte seit 2008 jedes Jahr sein eigenes Chaos mit.
Zunächst wurden 2008 die Osnabrück Tigers nach Lizenzvergabeschwierigkeiten nachträglich in die Liga aufgenommen. Dies geschah zwar spät war aber noch gut zu organisieren. Im darauf folgenden Jahr wurden die Hamburg Blue Devils aus der GFL in die Regionalliga zwangsabgestiegen. Dies jedoch nicht in der Winterpause, sondern in einem Verzweiflungsakt im April, also eigentlich in dem Monat, in dem die Saison begann.
Seit dem ist das Chaos perfekt. Der Spielplan musste umgestellt werden und am Ende mussten unter anderem deswegen - sage und schreibe - drei von insgesamt sieben Mannschaften absteigen. Die Blue Devils schafften den direkten Wiederaufstieg nicht und dank zweier Auf- und Absteiger war die Liga für 2010 auf plötzlich acht Teams angewachsen.
Ein besonderer Spielmodus musste für 2010 her. Man teilte die Liga in eine Nord- und eine Südgruppe zu je vier Teams. Diese sollten untereinander eine Tabelle ausspielen, wonach dann die jeweils beiden besten Teams in die Aufstiegs- und die beiden schlechtesten Teams in eine Abstiegsgruppe kamen. Hier sollte wieder jeder gegen jeden Spielen, nur nicht gegen das Team gegen das man schon gespielt hatte.
Sportlich ein interessanter Modus, der jedoch nur funktionieren sollte, soweit auch alle Mannschaften die Saison ordnungsgemäß beenden würden.
Dann, nach dem ersten Spieltag, die erste Hiobsbotschaft. Die Norderstedt Nordic Wolves mussten ihre Mannschaft vom Ligabetrieb zurückziehen, nachdem zwei Leistungsträger zum Ligakonkurrenten Hamburg Blue Devils wechselten und viele langzeitverletzte Spieler zu beklagen waren. Damit stand der erste Absteiger schon fest und alle Spiele wurden 20:0 gegen Norderstedt gewertet.
Die nächste Hiobsbotschaft kam dann am letzten Tag der Vorrunde. Die Hamburg Huskies mussten wegen Personalnot - man war mit gut 60 Spielern in die Saison gestartet - wenige Stunden vor dem entscheidenen Derbie in der Gruppe Hamburg/Schleswig-Holstein das Spiel absagen. In fünf Tagen schafften es die Huskies dann nicht, ausreichend viele Atteste vorzulegen um den Ausfall zu entschuldigen. Die bisherige Entscheidung (die Rechtsmittelfrist läuft noch) fiel dann wie bei Norderstedt aus. Die Hamburg Huskies würden absteigen und alle Spiele mit 20:0 gegen sie gewertet.
Die Konsequenzen: Für die Teams der Abstiegsrunde - also Hannover und Göttingen - ist die Saison beendet. Göttingen ist vor dem Abstieg sicher. Die Zukunft Hannovers ist aber noch ungewiss, denn soll auch wieder aus der Oberliga ein Team aufsteigen und bei einer geplanten Größe der Regionalliga Nord 2011 von nur sechs Teams könnte dies bedeuten, dass Hannover sich sportlich nicht mehr gegen den Abstieg wehren könnte.
Als weitere Konsequenz sind die Kiel Baltic Hurricanes II in die Aufstiegsrunde gekommen, ohne dabei auch nur ein Spiel gewonnen zu haben. Frei nach dem Motto: "Last man standing".
Wer aber nun glaubt, dass es das schon war, der irrt. Noch ist nicht gewiss, ob Rechtsmittel eingesetzt werden. Das heißt noch ist der oben ausgeführte status quo nicht endgültig und damit das Chaos doch erst wirklich perfekt.
"Diese Saison ist eine einzige Farce", beschreibt der Head Coach der Generals, Matthias Schmücker den Stand der Dinge und erklärt weiter: "In diesem Sport gibt es leider, gerade in Hamburg einige Personen, die meinen großes Geld verdienen zu können und deswegen zu Mauscheleien bereit sind. Das dabei in einer Saison zwei Vereine den Bach runter gehen ist erschreckend. Was mich aber am meisten stört ist, dass für meine Jungs einfach mal vier Spiele ausfallen. Das ist alles so nicht hinnehmbar."
Auch für die PR-Abteilung gestaltet sich diese Saison katastrophal. "Wir hatten vor, dass letzte Heimspiel richtig groß zu promoten, mit Marching Band, Halbzeitshow und allem drum und dran" erläutert PR-Manager Philip Arnold. "Das alles sollte eine riesen Party und für den Sport American Football eine super Werbung werden."
Auch für die Spieler ist der derzeitige Stand enttäuschend. "Man trainiert den ganzen Winter hart für seine Saison, integriert neue Spieler und dann so ein Chaos, bei dem der Sport und mit ihm die Spieler einfach viel zu kurz kommen" erläutert Linebacker Christian Rathmann.